11.07.2011
Eile mit Weile
aus Sehnsucht nach Heimat.
Befreiung von der Angst.
Jesus zum Kissen, Gott als Schemel,
Glaubenswahrheit statt Geist.
Dann der Absturz
in die Schluchten des Lebens.
Zerronnen der Traum,
dunkel vernebelt das Herz.
Lichtlose Heimfahrt
in die Vergangenheit.
Misslungene Flucht.
04.07.2011
Noe 21 – ménage à trois
19.04.2011
Noe 20 - Erwarten, Wollen, Lassen
07.04.2011
Aufbegehren!
„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“
05.04.2011
Tonbildschau(er)
Alle paar Jahre wieder. Diese stürmische Musik voller Melancholie, klagender, tröstend erzählender Streichinstrumente, von rasend schnellen Pianoläufen umspült. Gefühle eines Lebens verdichtet auf Minuten und befreit. Nun taucht es auf, das Bild des Knaben aus der Vergangenheit, der sich bäuchlings auf seine Liege schmiss, das Gesicht vergrub in seinen Händen, sich hörend aufzulösen schien, aus sich selber trat, um von oben zu betrachten, wie grenzenlos sich seine Seele in den Klängen und Tränen verlief.
Jahrzehnte später betritt der junge Freund leise den grossen Raum, versteht den
Augenblick selbstvergessener Geistesreise, vernimmt die Melodien, hört den
aufgewühlten Alten flüstern, dass dies die Musik seiner Kindheit sei - und erwidert
leise: „Es ist ein unermessliches Geschenk, wenn solche Klänge in den Bildern deiner
Jugend wohnen.“
(Franz
Liszt, Konzert für Klavier & Orchester Nr. 2 – Allegro moderato)
03.04.2011
Noe 19 - Christ und keines von beiden
02.04.2011
Wennundaberleier
ABER nun alles ändern kann ich nicht, will jetzt Aufgeschobenes erledigen, meine Schritte langsam planen, mich von den Dingen sachte lösen, Freiheit, Geld und Sicherheit bewahren, möchte Haus und Arbeit nicht verlieren, vorerst mir selbst vertrauen, statt dem Leben, meine Jugend voll geniessen und mich selber finden ... danach, ja, danach lass' ich mich ein.
Manche leiern lebenslänglich dieses Lied und stecken in Entwürfen fest. Erfahrung holst du nur mit Aufbruch und Verzicht. Wäge ab soviel du willst, hundertfach und mehr, die Zunge an der Waage bist du selbst, mit deinem „Ja“ und „Nein“ zum nächsten Schritt.
25.03.2011
Noe 18 - Sicherscheitgestolper
Noe verstörte es, wenn die Sicherheitsbedürfnisse das Leben junger Menschen abzuwürgen drohten. Er selber war damals unbekümmert, wechselte ohne Zögern das Haus, den Ort, stellte bedenkenlos innert Stunden sein Leben völlig auf den Kopf und dabei hatte er keine Ahnung, was seinen Schritten folgen würde. Manchmal geschah dies aus schlichtem Trotz gegenüber dem „Lauf der Dinge“. Noe liebte Aufbrüche und überging die Abschiede. Trieb ihn das Unbehagen vor sich her, schwamm er zu neuen Ufern, liess die alten Küsten hinter sich, lieferte sich aus mit Freude und Schmerz. Er wurde von einem tiefen Lebensvertrauen getragen, was er allerdings nicht wusste, jedoch zu spüren schien. Und wenn er den Gefühlen der Angst verfiel, konnte er darin nur kämpfen oder fliehen. Von lauen Zwischentönen hielt er nichts. Er schlug sich durch die Angst, um hinter ihr den Mut zu finden. Dann erkundete er wach und wissensdurstig den neu erschlossenen Raum. Noe war deshalb für die kleinen Spiele nie zu haben, lieber spielte er mit seinem Leben.
08.03.2011
Schwärmerei im Löwenkäfig
14.02.2011
Erleuchtung ...
"Wahrheit" die so stürmisch wächst, hält der Wirklichkeit nicht stand. Diese aber wäre der Garten für das Wachstum einer tragenden Spiritualität und etwas Bescheidenheit dessen Eingangstor. Gärtner werden!
02.01.2011
Rauchen in Spanien
Augenwischerei einer verängstigten Zivilisation?
Oder anders:
Nun haben wir den Weihnachtsrummel hinter uns. Keiner wollte ihn und jeder ging hin. Dann zwei obligatorische Abende freudig-melancholisch-rühriger An- und Abwesenheiten. Es folgten Zwischentage, die zu füllen waren und danach erging das Gebot der Fröhlichkeit zum Jahresende. Streng war es, irgendwie, verfressen, manchmal langweilig und öfters konfliktgeladen, trotz dem Streben nach Harmonie.
Diese Zeit liegt jetzt hinter uns. Sie hat wenig verändert: Eine Eins vergrösserte die Zahl 2010 auf 2011.
"Guets Neus" - und jetzt?
25.08.2010
Deal or No Deal
25.05.2010
Jesus im Kaninchenstall
Warum sträuben sich Christen gegen den Fortschritt und behaupten, damit in der Nachfolge Christi zu stehen? Wer diese Nachfolge antritt, muss aufbrechen und loslassen. Unsere Heilsverwalter aber kleben an Überlieferungen, sind meist eingesperrt in geschlossene Gedankenräume und Rangordnungen. Wohlgenährte, angstgelähmte Krämerseelen, die sich in ihrer Gesetzeskirche gegenseitig ihre Richtigkeit beteuern. Im Elfenbeinturm wird festgeschrieben, was nicht festzuhalten ist. Unter der Decke feierlicher Gemeinschaftsseligkeit wuchsen Glaubenswahrheit, Schuld und Sühne, Verkündigungsauftrag, Drangsalierung des Gewissens und gerade soviel Feigheit wie Berechnung. Diese Verwalterseelen haben das Feuer längst verloren und umkreisen ihre Fahnenstangen. Abgesicherte Kleinbürgerlichkeit im Grossformat. Was soll daran christlich sein? Ausser der Fahne - nichts. Gefragt wäre das Weitertragen der Glut und nicht die Anbetung der Asche.
19.05.2010
Noe 17 – Wörterei
18.05.2010
Noe 16 - Zwischenträume
Seelenfressen
05.05.2010
Ebbe und Flachland
29.04.2010
1. Mai - (m)Ein Land wird sauber
Sie werden neue Feinde finden, dessen bin ich mir gewiss.
27.04.2010
Noe 15 - Seba der Bauer
(Seba hiess in Wirklichkeit anders)
21.04.2010
Trip und Flucht
Ich kenne all' dieses Zeugs seit 45 Jahren. Was habe ich mir schon angehört, wie LSD und andere Mittel das Bewusstsein erweitern würden. Bisher traf ich niemanden, auf den diese Aussage zutraf. Eher verschob sich die enge Sicht woanders hin und wurde dort noch schmaler. Schon vor Urzeiten hätten sich Naturvölker auf diese Weise berauscht, erfuhr ich dann. Blödsinn. Die lebten in völlig anderen Kultur- und Zeitumständen, in denen sie ihre Menschen unter Anleitung und mit langen Ritualen auf eine Seelenreise führten. Nach einem oft wochenlangen Prozess konnte der Schluss der Reise aus einem Drogenerlebnis bestehen. Wir Zeitgeistmenschen wollen in billiger Anbiederung diesen tiefgreifenden Vorgang nun ersetzen, in dem wir in die Sonne blinzeln, uns naturnah schwatzen ohne es zu sein, Musik unterlegen und einen Trip schmeissen. Das Bild spricht Bände, womöglich sind wir auch noch mit dem Auto hingefahren. Die Indianer rundeten eine Sicht, die sie lebten. Wir aber schlucken unser Ding und kehren danach zur alten Bezugslosigkeit zurück. Die meisten Konsumenten "bewusstseinserweiternder" Drogen sind biedere und ängstliche Kleinbürger, die zu umgehen suchen, was sie anpacken müssten. Sie schaffen weder Neues für sich, noch für andere. Sie folgen dem Strom und verkünden so nicht einmal das Gegenteil des Schongehabten, geschweige denn ein gesellschaftliches Signal. Sie sind entweder nur konsumgeil und um 50 Jahre verspätet oder sie durchlaufen die Wirren der jugendlichen Wer-bin-ich-Zeit. Wer tatsächlich andere Wege finden will, stellt sich mit klarer Wahrnehmung der Wirklichkeit. In ihr lässt sich ohne Hilfsmittel Vergleichbares nachhaltiger erleben. Mit kleinkarierter Feigheit und grosskotzigen Sprüchen ist das nicht zu machen, aber mit Mut. Dieser wächst aus der Überwindung der Angst. Nicht aus einem Trip.
20.04.2010
Noe 14 – Was nützen Mauern ohne Tor?
18.04.2010
Noe 13 - Der Knabe und die Mönche
17.04.2010
Fernsprecherei
Noe 12 - Vorwort zwischendurch
08.04.2010
Gut und Schlecht
Und die Moral der Geschicht': Nicht jeder der dir auf den Kopf scheisst, will dir Schlechtes tun. Und nicht alle die dich aus der Scheisse ziehen, meinen es gut mit dir.
(Nachgetextete Geschichte aus dem Volksmund)
06.04.2010
Die Zirkusbühne ist rund
Bei diesen Menschen werde ich das Gefühl nicht los, dass sie sich als Hauptdarsteller auf einer Bühne wähnen und sich um die eigene Achse drehen. Sie machen alles zur Kulisse, jeden zum Statisten und gelangen so zu einer Selbstdarstellung, in der sie sich erträglich finden. Sie ahnen, dass sie ihr Leben von sich weisen, sich selbst nicht akzeptieren und sich auf der Flucht befinden. Intellektuell ertragen sie Kritik, emotional hingegen nicht, denn da zerfiele die Kulisse. Solches Leben ist fremdbestimmt und verletzt den eigenen Wert. Die Schuldgefühle bleiben und führen zur nächsten Runde im Hamsterrad der eingebildeten Lebensschuld.
05.04.2010
Shitegal
Ich habe zuviel gesehen, um moralische Vorbehalte gegen Süchte und Betäubungsmittel zu haben. Sie stehen immer in Beziehung zur Situation des betreffenden Menschen. Sorgen macht mir jedoch der Cannabis-Konsum junger Leute. Gegen deren Keulen war unser Zeugs Kamillentee und ihre Geschichten erinnern mich an Erlebnisse mit härteren Giften. Inzwischen habe ich öfters gesehen, dass langer und regelmässiger Cannabis-Konsum für sehr junge Leute verheerende Folgen haben kann. Schon wenn sie nur wenig unbeständiger sind, als es für jenes Alter ohnehin zutrifft, sind die Folgen dauernden Shitkonsums kaum abzusehen. Das Seelenleben kann völlig durcheinander geraten. Im schlechteren Falle schränkt sich die Wahrnehmung ein, die Entwicklung der Gefühlswelt stockt und die Beziehungsfähigkeit hinkt hinterher. Von Verantwortungsgübernahme und Bewusstseinsentwicklung ganz zu schweigen. Mit zwanzig dann noch immer das Innenleben des Sechzehnjährigen. Tunnelblick. THC schiesst Löcher in die Hirne, frühsenile Vergesslichkeit inbegriffen, und die Träume versanden in abgestumpfter Gleichgültigkeit. Es bleibt noch die Phantasie zur Begründung des Konsums, die Gesellschaft ist schlecht und der Rest ist SHITEGAL.
(vgl. Eintrag 2. März 10 / Brückenschlag)
04.04.2010
Osterangsthasen
Zuweilen sind wir von Fragen und Ängsten umstellt, welche die eigenen Grundfesten erbeben lassen. Ein "Ja" muss her oder ein "Nein". Dabei versuchen wir sachlich zu denken und stossen vor allem auf Gefühle. Wir wollen uns absichern und zaubern aus der einen grossen Frage hundert kleine. Die Grundsatzfrage aber bleibt und mit ihr liegt die Antwort in der Luft. Wir trauen nicht uns zu entscheiden, wollen etwas anderes hören, was zugleich heisst, dass es die Ahnung einer Antwort gibt. Nun könnten wir uns treiben lassen, bis die Frage sich von selbst erledigt. Ebenso liesse sie sich aus eigener Kraft anpacken und bewegen. Daran hindern uns die eigenen Gepflogenheiten, Vorstellungen, Bewegungsängste und Befürchtungen oder die Unabsehbarkeiten, obgleich wir derart Unabsehbares wie Kinder in die Welt zu setzen vermögen. Die innere Eingebung irrt sich selten. Wir haben nur verlernt, sie wahrzunehmen und in unser Denken einzubinden, was unser Lebensvertrauen schmälert. Jeder ist von seiner Grenze umgeben, fast vergleichbar mit dem Fluchtabstand der Tiere, kämpfen oder fliehen. Auf der Linie dieses Kreises zeigen sich Punkte, die uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Sie ziehen uns in ihren Bann oder stossen uns ab, erzeugen Unsicherheit. Genau hier liegen die Kerben, über welche sich der Kreis durchbrechen liesse. Hinter diesen verschlossenen Toren öffnen sich die Wege. Fürchte dich nicht vor der Angst. Ohne sie gäbe es keinen Mut.
03.04.2010
Noe 11 - Zwiebel(ge)schichten
01.04.2010
Gut gemeint überfahren
31.03.2010
Die Religion der "Wahrheit"
Noe 10 - Vorschlafbaumeln
30.03.2010
Darf mann so?
Du magst in Liebe noch so weich gebettet sein, wenn du keinen Freund hast, bist du arm. Um Freundschaften nicht zu gefährden, habe ich sie immer klar abgegrenzt von den Liebesverhältnissen. Denn diese verdorren zu oft in den Stürmen der Erwartungen und Verpflichtungen, in denen beide unvernünftig alles voneinander haben wollen. Wäre die Freundschaft gar eine bessere Basis für Lebensprojekte als die Liebesbeziehung?
28.03.2010
Noe 9 - Der verlorene Gast
Kunstsicherheit
Körperschaften der Kunstförderung sind rechenschaftspflichtig. Um sich zu finanzieren, müssen sie reinen Lebensverwaltern Weltsichten glaubhaft machen, die diese nicht nachvollziehen können. So brauchen sie Vergleichbarkeit und Geschichte, um daraus die "Rechtmässigkeit" der Gegenwartskunst abzuleiten. Eine falsche Sicherheit, denn keiner ist frei von Emotionen und Geschmack, persönlicher Wahrnehmung und Vorstellung. Neben der Mehrschichtigkeit der Aussage eines Werkes und seiner handwerklichen Güte, gibt es kaum verbindliche Anhaltspunkte. Letztlich kann ein Kunstschaffender auch zu begnadet sein, um verstanden zu werden oder es gilt das Wort vom Propheten im eigenen Land. Sich in diesem Dunstkreis des Ungefähren zurechtzufinden ist Erfahrungssache und gleicht oft einem Würfelspiel.
Ein Rat an alle Sicherheitsbehinderten: Nichts tun und warten, bis man abgesichert rückwärts schauen kann.
Noe 8 - Bonjour Adieu
27.03.2010
Feige Hunde beissen.
200 Jahre genügen nicht, um aus einem Untertanendorf eine moderne Gemeinschaft zu bilden.
26.03.2010
Spiegelnackt
(Es gibt Menschen mit erstaunlichen Gaben. Einigen bin ich begegnet. Gemeinsam war ihnen allen eine auffallende Bescheidenheit, keine kommerzielle Verwertung ihrer Anlage, äusserste Zurückhaltung bis hin zur Verleugnung ihrer Fähigkeiten vor anderen Leuten.)
25.03.2010
Noe 7 - Noe hatte Glück
Noe hatte Glück. Gegen Ende ihrer Schwangerschaft wollte seine Mutter mit ihm in den Tod. Sie war jung und verzweifelt. Der Versuch misslang, beide überlebten. Eine Amme wärmte und nährte ihn. Kaum genesen, begann Noe's Mutter ihn zu einem jener richtigen Männer zu formen, die sie so liebte. Sie war jung und naiv. Noe wehrte sich mit schweren Krankheiten, die ihn schliesslich in ein Kinderheim führten. Er hatte Glück. Es war keine jener Kinderhöllen, wie es sie anderswo gab zu jener Zeit. Als er zwei war, stand ein Paar an seinem Bett mit einem Teddybär. Ein Bild, das er unauslöschlich durch sein Leben trug. Er zog zu diesen Menschen und wuchs bei ihnen auf. Noe hatte Glück: Sie haben ihn gesund gemacht, zärtlich begleitet, niemals in Formen gezwängt. Er pendelte, wie heute Scheidungskinder, zwischen den Pflegeeltern, seiner Mutter und den den verschiedenen Kulturen hin und her. Heimatlos. Noe hatte Angst vor seiner Mutter, sie war dick und er schlief neben ihr. Sie verkehrte mit vielen freundlichen, ziemlich aufgetakelten Frauen an Orten, wohin sich damals "anständige" Menschen nicht verirrten. Noe wuchs heran und wurde für seine Mutter zum "Plan Altersvorsorge". Sie war nun älter, berechnend geworden, voll gehängt mit schwerem Gold und machte Druck. Noe entzog sich. Als er erwachsen war, erhielt er den Namen seiner Zieheltern. Später erbte er aus Versehen etwas Geld und genau dann meldete sich seine Mutter nach fünfundzwanzig Jahren wieder. Sie hatte materielle Wünsche, forderte seinen Besuch und klagte über ihr Leben. Wie es ihm erging, fragte sie nicht. Noe, inzwischen fünfzig und erfahren, hatte danach den ersten und letzten Asthma-Anfall seit Jahrzehnten. Notschrei aus tiefster Vergangenheit. Tagelang brütete er über dem Brief an seine Mutter. Darin verzieh er ihr, was es zu verzeihen gab und er schloss die Zeilen mit den Worten: "… Du bist zu spät gekommen. Der Funke der Freundschaft ist nicht gesprungen. Das Blut spricht nicht. Wenn Du etwas für mich tun willst, dann lass' mich los. Ich bleibe da, wo ich die bedingungslose Liebe fand."
Noe hatte Glück: Denn es gab diesen Ort.
Wer hat sie die Angst gelehrt?
Sie werden wenig grundlegende und lebbare Werte hinterlassen, dafür eine Konsumwüste und ein Lebensjoch, das den Nachkommen schon jetzt den Rücken krümmt: Inzwischen ersticken wir im Dreck, die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer tiefer, wir sitzen in jeder Beziehung auf einem Schuldenvulkan und "Erfolg" misst sich nur noch am Material.
Dass sich meine Altersgenossen grösstenteils nicht mehr bewegen werden, davon ist auszugehen. Umso mehr sollten uns die Jungen jetzt jene Fragen stellen, vor denen wir uns drücken. Denn sie werden die Karre weiterziehen, die Suppe auslöffeln und müssten sich wehren für ihre Zeit nach uns. WARUM tun sie es nicht? Wer hat sie die Angst gelehrt und ihre Neugier erstickt?
Ab und zu höre ich, dass uns die Jugend den Generationenvertrag kündigen werde. Das kann sie nicht, denn die Alten haben ihn schon längst gebrochen.
Die Jugend könnte ihn aber einfordern.
TUT ES.
24.03.2010
Rauchst du noch ...
Gesundheit ist eine Frage des Gleichgewichtes und nicht absolut. Vielleicht ist keiner gesund und wir kennen nur nicht alle Krankheitsbefunde. Gesundheit kann zum Wahn werden, ein Geschäft ist sie allemal. Ewig jung, schön, faltenlos, schlank, zähnebleckend leistungsfähig schaffen wir neue Masseinheiten der gesellschaftlichen Eingliederung und damit der Ausgrenzung. Wir werden so den neuen Menschen nicht hinbiegen, auch wenn wir das glauben und wollen. Solches wähnte man im Dritten Reich und schon früher, jeweils mit verheerenden Folgen, worauf wir alle beteuerten: "Nie wieder!". Vom Röhrenblick geleitet, sind wir damit beschäftigt, in anderer Weise die Vorgaben von damals neu zu erfinden. Vermeintlich nach den Erfordernissen unserer Zeit. Aber es bleibt beim Alten. Nichts gelernt.
Das Leben ist tödlich, somit lebensgefährlich. Die Länge kann verschieden sein. Dabei hängt die Qualität eines Lebens nicht von seiner Dauer ab, sondern von seinen Inhalten. Dort sind ganz andere Merkmale entscheidend, als uns die Bedenkenträger und ihre Trompeten verkünden. Die wollen nur gewinnbringende, glattgeschmierte Seelenkrüppel und die Mehrheit schreit schon mit.
Meinerseits möchte ich nur Jahr um Jahr etwas schöner werden, gezeichnet von den Spuren meiner Tage. Reifen Geistes möchte ich dem Tod begegnen, der mich dann von meinen kleinen und grossen Leiden erlösen wird. Ich habe mein Leben und seinen Kern nicht verleugnet. Daher hoffe ich, keine dieser Krücken zu brauchen, mit denen man im Alter nachzuholen sucht, was nicht nachzuholen ist: Die nicht erfüllte Zeit in der eigenen Vergangenheit.
22.03.2010
Noe 6 - kreisrund kariert
Jesus war zwölf, als er im Tempel die Gelehrten belehrte. Maui war zehn, als er, mit einem Vortrag über das Sterben, eine Gruppe todkranker Menschen von den Stühlen riss. Mischa war zwölf, als er Noe erklärte, weshalb Freiheit ohne Selbstbeschränkung nicht möglich war. Ur-Abt Benedikt mahnte seine Mönche, der Jugend Gehör zu schenken, da sich der Geist auch ihrer bediente.
21.03.2010
Noe 5 - Antwort und Ziel
Noe dagegen staunte oft, wenn Neues, Ungewusstes, aus ihm wuchs und er sich fragen durfte, warum er etwas konnte oder woher ein Gedanke kam. Er fand selten eine Antwort aber immer neue Fragen. So konnte Noe mit andern mehr und mehr die Fragen teilen. Antworten hatte er keine.
19.03.2010
Akt im Bühnentrakt
Vergiss den Blick zurück, fantasiere weniger nach vorne, bewege dich im "Hier und Jetzt" und fülle es so gut es geht. Du wirst die Liebe entdecken in dir und - zu dir. Du wirst dir verzeihen können und eine neue Art der Innigkeit und Zuwendung erfahren. Dann führt dich das Leben an der Hand und die Angst hat ein Ende.
Selbst, selbst, selbst ...
Eine andere Tücke liegt im Selbstbewusstsein. Wir definieren es über den vorzeigbaren Erfolg. Selbstbewusstsein müsste aber die Folge von wirklicher Selbsterkenntnis sein und diese bitte auf der ganzen Breite, nicht nur im Hallelujateil.
Noe 4 - Happy Birthday
17.03.2010
Gurus und andere Leerläufe
Wenn du einen Menschen bewunderst, dann bewunderst du deine Sicht auf ihn. Du nimmst ihn nicht in seiner Ganzheit wahr, die sich weniger von deiner unterscheidet als du glaubst. Der Unterschied liegt nicht in den Lebensfragen, sondern im einzelnen Umgang mit diesen. Du bürdest also einem Menschen deine Erwartungen und Vorstellungen auf. Da er diese nicht erfüllen kann, besonders, wenn er nichts davon weiss, wirst du zwangsläufig durch deine eigene Wahrnehumg enttäuscht. Dann wirst du dein eigenes "Ungenügen" dem anderen anlasten, deinen Frust versprühen und so keinen Schritt weiter kommen. Die Sucht dem Vorbild gleichen zu wollen, kann so weit gehen, dass du Dinge tust, die dieses Vorbild niemals von dir erwarten würde. Du versklavst dich selber und drehst im Kreis.
Manchmal genügte eine kleine Frage, um das zu verhindern: "Was willst Du von mir, was bin ich für dich?". Man stünde sofort auf gleicher Augenhöhe und ersparte beiden Seiten sehr viel Schmerz.