05.04.2011

Tonbildschau(er)

Alle paar Jahre wieder diese stürmische Musik voller Melancholie, klagend und tröstend erzählender Violinen, von rasend schnellen Pianoläufen umspült. Gefühle eines Lebens verdichtet auf Minuten und befreit.
Nun taucht es auf, das Bild des Knaben vor 50 Jahren, der sich bäuchlings auf seine Liege schmiss, das Gesicht vergrub in seinen Händen, sich hörend aufzulösen schien, aus sich selber trat, um von aussen zu betrachten, wie grenzenlos sich seine Seele in den Klängen verlief.

Leise betritt der Freund den grossen Raum, versteht den Augenblick verträumter Geistesreise, vernimmt die Melodien, hört den aufgewühlten 60jährigen sagen, dass dies die Musik seiner Kindheit sei - und dann: „Es ist eine unermessliches Geschenk, dass solche Klänge in den Bildern meiner Jugend wohnen.“
Franz Liszt, Konzert für Klavier & Orchester Nr. 2 – Allegro moderato